Ratgeber Frau und Familie

Ratgeber Frau & Familie 27. 2. 2009

Heile durch den Geist

Der Referent Doktor Michael Zimmermann ist seit zehn Jahren Chefarzt einer Fachklinik für chronische und therapieresistente Erkrankungen (Bluthochdruck) in Badenweiler. 

Vorher leitete er eine solche Einrichtungen in Überlingen am Bodensee. Er ist Arzt für Naturheilverfahren und diplomierter Mayr-Arzt.

Wie ich erfahre, kann er auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken, die er auch in Vortragsreisen um den Globus streut. In der Schweiz, in Österreich, den USA und Kanada kennt man ihn. Ich hatte bisher nicht das Vergnügen und wurde im vorgestellt. Er hält meine Hand auffallend lange und spricht mit melodisch-einfühlsamer Stimme. Dass er mir in diesen wenigen Minuten den Puls fühlt, meinen ganzheitlichen Gesundheitszustand taxiert, Krankheitsanzeichen abruft und meinen Darmzustand analysiert, erfahre ich erst viel später.

Trotz seiner sanft wirkenden Art hat auf der Bühne kein Problem mit der Selbstdarstellung. Er berichtet von „Patientenfreunden“, die nach langjähriger Odyssee durch die Schulmedizin erst bei ihm Hilfe erfuhren. Von Allergien, Depression, Migräne, Osteoporose, Rheuma und Herzinfarkt bis hin zu Multipler Sklerose - Doktor Zimmermann schreckt vor keiner Krankheit zurück. Bei allem liege die Ursache im Darm, behauptete er, und könne auch nur von dort geheilt werden. Mich macht das eher skeptisch.

Als hätte er es geahnt, beginnt er sogleich, die These zu untermauern. Schon vor 5700 Jahren wurde auf ägyptischen Papyrusrollen der fatale Ausgang von zu viel Nahrungsaufnahme dargestellt. Nur ein Viertel seines Essens brauche der Mensch zum Leben, von dem Rest lebe der Arzt, versichert er. Im Japanischen heiße „Hara“ so viel wie „Bauch“ oder „Darm“, aber auch „Seele“, was die Zusammenhänge von Leib und Seele beschreibe.

Die Chinesen behaupten: der Bauch ist der Mittelpunkt des Lebens. Hippokrates mahnte bereits: Eure Heilmittel seien eure Nahrungsmittel und eure Nahrungsmittel eure Heilmittel. Denn „der Darm ist der Vater allen Trübsal und das Verdauungsleiden die Mutter aller Krankheiten“. Schon römische Ärzte wussten: „Bene curat, qui bene purgat - Gut kuriert ist, wird gut gereinigt ist.“ Starke Worte.

Im Darm beginne der Gesunde krank zu werden, ist Zimmermann überzeugt. Mehr noch: „ Es gibt gar keine wirklich gesunden Menschen, sondern nur schlecht untersuchte Kranke.“ Dazu bedürfe es der Einsicht. Und „Medikament“ komme von „ medica ad mentem“, was bedeutet: Heile durch den Geist. Ein „Medicus“ soll jemand, der dieses Wissen zu vermitteln und den Patienten zur Einsicht zu bringen kann. Kein schlechterer Werbezug, schießt es mir durch den Kopf.

Vom Kosmos zum Chaos

Wir essen zu viel, zu viel und zu schnell, zu spät und zu schwer, erläutert der Mayr-Arzt seine Therapie. Damit überlasten wir vom Säuglingsalter an unser Verdauungssystem, weil viel zu viele Mütter glauben, das Essen groß und stark mache. Sie halten Speikinder für Gedeihkinder und lassen die Verdauungsorgane von Anfang an pausenlos arbeiten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene setzen schädliche Gewohnheiten bei der Ernährung munter fort. Mit Zucker, Mehlspeisen, Brot und Rohkost in rauen Mengen werden Gärprozesse in Gang gebracht, die unerbittliche Gase wie Methanol, Propanol, Butanol oder Fuselalkohol produzieren, unseren Darm mächtig strapazieren und dehnen. Bei der Zersetzung eiweißreicher Kost wie Fleisch, Fisch, Wurst, Eier oder Milch entstehen Fäulnisstoffe, ja sogar Leichengifte, die schlimmstenfalls über die Darmschleimhaut mit dem Blut in alle Körperzellen gelangen. „ Kranker Darm, krankes Blut, kranker Körper“, zieht Zimmermann sein Fazit.

Die Selbstvergiftung aus dem Darm beginnt. Man fühlt sich abgeschlagen, erschöpft, müde, gereizt, nervös, depressiv, kämpft gegen unangenehme Ausdünstungen, Hautprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit, Verdauungs- und Durchblutungsstörungen, Herz- und Atembeschwerden, Gefäß- und Gelenkleiden. Erste Signale, die gerne auf das Alter geschoben werden. Nicht ahnend, dass die jugendliche Frische und Vitalität viel zu früh eingebüßt wird.

Dabei hat der österreichische Arzt Doktor Franz Xaver Mayr bereits vor 100 Jahren die Behauptung aufgestellt, dass unser überforderter, überreizter Verdauungsapparat mit der Zeit durch Schlacken verschleimt, verklebt, verschmutzt, ermüdet und erschlafft.

Der Darm schwillt an und weitet sich raumgreifend aus. Seinen Stoffwechselauftrag, dem Körper wertvolle Stoffe zuzuführen und alles Schädlich abzuführen, kann er nicht mehr leistungsgerecht erfüllen. Denn die Nahrung mechanisch, chemisch und bakteriell richtig aufzuschließen und verwertbar umzusetzen, gelingt nicht mehr.

Wer den fast 10 m Meter langen Darm mitsamt der Schleimhaut mikroskopisch auseinanderfaltet, kommt auf 4000 m². Das entspricht zwei Tennisplätzen. Wenn diese Flächen nicht mehr richtig funktionieren, verdickt das Blut, verschlacken und übersäuern die Grundgewebe, Muskeln, Gelenken und Nerven.

Das Immunsystem gerät in Schieflage, denn der Darm ist zu 80 % auch dafür verantwortlich. Allergien und Autoimmunerkrankungen wie Colitus uclerosa, Polyarthritis und Multiple Sklerose finden deshalb im kranken Darm ebenfalls fruchtbaren Nährboden. Gleichzeitig gilt der Darm mit mehr als 100 Millionen Nervenzellen als Sitz unseres „ zweiten Gehirns“. Bestimmte Botenstoffe steuern von dort aus Gefühle und Wahrnehmungen. Nicht ohne Grund entscheiden wir manches „aus dem Bauch heraus“. Wer dieses Zentrum der Gesundheit zerstört, richtet im geordneten Kosmos 'Körper' ein dramatisches Chaos an.

Nährboden in der Krankheit

Doktor Zimmermann vergleicht den Darm mit einem Gartenboden. So wie dort je nach seiner Beschaffenheit die Pflanzen gut oder schlecht gedeihen, so wurzelt im Darm Krankheit oder Gesundheit. Der überlastete Darm wird träge und verkrampft. Erweitert und erschlafft transportiert er den Darminhalt nur mäßig vorwärts. Der verderbliche Brei staut sich, fault tagelang vor sich hin, reizt die Schleimhäute, bildet Gase und Blähungen. Das Ergebnis wird mit der Zeit rein äußerlich sichtbar. Es bildet sich ein kugelförmiger Gasbauch oder ein sackartig hängender Kotbauch.

Mayr beschreibt sechs verschiedene eiförmige, schlaffe, pralle, spitze und gemischt-krankhafte Formen von Ober- und Unterbäuchen, wie man sie an jedem Badestrand und in jeder Sauna zuhauf beobachten kann. Die Menschen stoßen Luft auf, Leiden an Sodbrennen, Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Müdigkeit nach dem Essen, Verstopfung oder Durchfall.

Fernsymptome wie Migräne, Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsprobleme, physische Verstimmungen, Asthma, Rheuma und viele andere Störungen spiegeln den kranken Darm nach außen. Auch über andere Ausscheidungsorgane werden die Schlacken ausgeschieden. Mundgeruch, stechend riechender Urin und übler Schweißgeruch sind die Folge. Aggressive Schleimabgänge über Nase und Genitalien sowie verklebte, gerötete Augen können weitere Hinweise auf die Ausscheidung von Schadstoffen sein. 

Die Darmgifte belasten aber auch das Umfeld des Verdauungsapparates. Leberschäden, Zwölffingerdarmentzündungen, Magengeschwüre, Gallenleiden, Bauchspeicheldrüsenbeschwerden, Hämorrhoiden, Polypen und Darmkrebs können sich entwickeln. Gefährlich wird es auch, wenn die überdehnte Darmwand sich an einigen Stellen nach außen stülpt und so genannte Divertikel bildet, die sich entzünden und zum Darmdurchbruch führen können.

Hinzu kommt die schlechte Durchblutung von Zellen, Muskeln, Organen und Nerven mit allen nachteiligen Folgen. Sogar das Seelenleben wird davon in Mitleidenschaft gezogen, Leistungs- und Gemütsstörungen inklusive. „ Man könnte manchem Menschen den Weg in die Nervenheilanstalt ersparen“, so der Mayr-Arzt, „wenn man ihm den Darm reinigen und pflegen würde“. Immerhin, bedeutet Zimmermann, heiße „Melan-Cholie“ übersetzt nichts anderes als „ dunkle Galle“. Psychologie sei nutzlos oder schädigend, glaubt er, wenn sie nicht den ganzen Menschen sehe und dessen wichtigstes Organ, den Darm, beachte.

Mir stockt der Atem. In dieser Intensität habe ich das delikate Thema noch nie betrachtet. Die verblüffenden „Wunderheilungen“ werden damit fast erschreckend plausibel. Auch Volksweisheiten: „das schreckt mir auf den Darm“, „ da läuft mir die Galle über“, dem ist „eine Laus über die Leber gelaufen“ oder „er hat nur Schiss“ belegen die zentrale Bedeutung des Verdauungsapparates.

Selbsttest

Mir wird plötzlich klar, warum ich mich nach ein paar freiwilligen oder krankheitsbedingten Fastentagen viel besser fühle. Die Theorie beginnt mich zu fesseln. Ich will es wissen und kündige meinen Besuch in der Klinik an. Sollte diese Selbstvergiftung aus dem Darm wirklich dass am meisten verbreitete und am wenigsten beachtete Übel sein?

Doktor Zimmermann nimmt sich viel Zeit. Er demonstriert mir seine Vorgehensweise mit einer Anamnese. Nein, er fragt mich nicht, was mir fehlt, sondern er sagt es mir. Von meinem körperlichen Erscheinungsbild und der psychischen Verfassung schließt er auf den Gesundheitszustand. Seine Thesen sind belegbar. Der Zwischenrippenwinkel ist deutlich vergrößert, die Hüfte nicht ganz symmetrisch, der Zwölffingerdarm, das Seelenorgan, leicht verkrampft, der Bauch nicht weich genug. Meine Haltung schafft einem vergrößerten Verdauungssystem Platz.

Ich hätte es wissen müssen: Es gibt keine wirklich gesunden Menschen, sondern nur schlecht untersucht der Kranke! Aber Dr. Zimmermann hält es ganz mit Paracelsus: Ihr sollt die Krankheit bereits in ihren Signaturen erkennen, und zwar bereits Jahre oder Jahrzehnte, bevor sie da ist. Mit meiner Diagnose bin ich nicht alleine. Wie eine kleine Familie sind die rund 20 Patienten der Klinik aus der näheren Umgebung, aus ganz Deutschland und aus Amerika eingebettet in ein freundliches Team. Alle haben das gleiche Schicksal: krank im Darm, egal, woran sie leiden. Ein Patient ist zum ersten Mal da. Skeptisch verfolgt er am zweiten Tag, was mit ihm passiert.

Andere sind schon mehrmals hier gewesen, fühlen sich wie daheim. Sie haben nach ihrem ersten Aufenthalt eine solche Besserung ihrer Leiden verspürt, dass sie sich nun jährlich, anstelle eines Wellness-Urlaubs, für ein bis zwei Wochen hier einquartieren und generalreinigen lassen. Sie berichten von vielen ehemaligen Krankheitsbildern, die Doktor Zimmermann in seinem Vortrag dem Darm zuschreibt.

Säuberung

In der Klinik werden Sie darauf eingestimmt. Um die Darmverkrustungen aufzulösen und in Bewegung zu bringen, gibt es Bittersalz. Um den Organismus zu entsäuern, wird Basenpulver aus entsprechen Mineralstoffen verabreicht. Die Grundreinigung des Dickdarms erfolgt mit der Colon-Hydro-Therapie.

Sie wurde 1981 von Doktor Zimmermann in Deutschland etabliert. Was anfangs milde belächelt wurde, hatte Wernher von Braun für die NASA entwickelt. Denn Darmgase in der Raumkapsel sind explosiv und entzündlich. Heute ist das Gerät ein wesentlicher Bestandteil der Kliniktherapie.

Auch ich lasse diese Prozedur einmal über mich ergehen, um zu wissen, wovon ich schreibe. Völlig dezent wird dabei warmes Wasser in den Damen eingeleitet und in einem geschlossenen Kreislauf „nebenwirkungsfrei“ direkt in den Abfluss entsorgt. Statt den befürchteten Unannehmlichkeiten macht sich ein wohliges Sauberkeitsgefühl bereit.

Währenddessen unterhalte ich mich ganz entspannt mit der einfühlsamen Mitarbeiterin Katja Rupp, die selber Darmpatientin war und zudem früher als ausgebildete Arzthelferin bei Darmspiegelungen assistierte. Das Verdauungssystem ist ihr also bestens vertraut. Sie spricht aus Erfahrung und ohne Tabu. Sogar Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch habe man über die Darmreinigung erfolgreich behandelt, erzählte sie. „ Es gibt schon einige Mayr-Kinder“, fügt sie strahlend hinzu. Ich staune immer mehr.

Unterstützt werden soll die Säuberung von jedem Patienten selbst durch den regelmäßien Einlauf mit dem so genannten Klyso, einem Schlauch, mit dem ganz leicht warmes Wasser in den Enddarm gepumpt werden kann. „Sie putzen ja auch täglich zwei bis dreimal die Zähne“, erklärt Dr. Zimmermann. Das ist nur der Anfang des Verdauungsprozesses. Und auch das meistens Darmkreb sehr am Enddarm entstehen. Zimmermann macht bewusst: das Wort Hygiene komme aus dem griechischen und ist der Name der Göttin der Gesundheit.

Der Mayr-Arzt nimmt seinen Auftrag sehr ernst. Ein Arzt solle behandeln, formuliert er: das geschieht mit der Hand. Nicht mit Tabletten und Spritzen. Also übernimmt er die erste Organ-Behandlung selbst bei mir. Bei dieser manuellen Bauchbehandlungen nach Doktor F. X. Mayr wird mit einer kunstvollen Tast- und Atemtherapie die Peristaltik angeregt. Das wiederum verbessert die Zirkulation im Bauchraum, intensiviert die Atmung und die Säuberungsprozesse.

Doktor Zimmermann zelebriert sie als Meditation. Der leidenschaftliche Techniker erläutert dabei, wie viel der Körper mit Physik, Mechanik, Hydraulik, Energetik und Biochemie zu tun hat. Selber mit einer Darmlähmung geboren, kennt er die Zusammenhänge bestens. Seine behutsamen kreisenden Bewegungen in allen Bereichen der Verdauungsorgane sind nicht nur wohltuend, sie schaffen auch messbare Ergebnisse. Der Zwischenrippenwinkel verkleinert sich bereits nach einer einzigen Anwendungen nachweisbar. Die Atmung wird leichter. Kollege Doktor Schirmer vertieft das noch. Der Schwerpunkt seiner Organbehandlungsmethode liegt auf der Atemtechnik und der Versorgung des Verdauungstraktes mit Sauerstoff. Bei ihm merke ich, wie sehr ich verlernt habe, richtig tief in den Bauch zu atmen.

Die letzte Geschmeidigkeit erhält das Darm- und Lymphsystem durch die viscerale oder Leibes-Behandlung von Katja Rupp. Ihre zarten Hände „wringen“ die Organe sanft aus wie ein Schwamm. Das entkrampft, entstaut Lymphe und Darm, verbessert die Durchblutung der Entgiftungsorgane Leber, Niere und Lunge durch Sauerstoffzufuhr und Schadstoffableitung. Der Massageeffekt verbessert die Spannkraft und Elastizität. Diese Wohltat bedingt ganz eindeutig eine energetische Optimierung der Lebenskraft. Ich fühle mich super.

Schonung und Schulung

Wer zwischen den Anwendungen in der Sitzecke vor der Rezeption pausiert, der trinkt. Jeder, den man trifft, hat einen 0,4 Liter-Humpen mit einer ballaststofffreien Basenbrühe aus verschiedenen Gemüsesorten oder mit Kräutertee gefüllt.
Trinken ist das oberste Gebot, egal, was angesichts des Krankheitsbildes verordnet wurde. Auf die klassische Milch-Semmel-Kur nach Doktor F. X. Mayr wird allerdings wegen der häufigen Laktose-Unverträglichkeit verzichtet. Stattdessen gibt es für Einige ein paar Tage Heilfasten zur absoluten Schonung und Ruhigstellung des Darmes und seiner Drüsen, für einen anderen leicht verdauliche Heilkostformen wie Hafer-, Gemüse- oder Kartoffelsuppen mit abgestufter Eiweißzulage und als Nächstes eine so genannte „milde Ableitungs-Diät“ mit Kartoffeln oder Reis, leicht gedünstetem Gemüse, Fisch oder zartem Fleisch.

Die Flüssigkeit, mit der man sich überall bedienen kann, unterstützt die Darmreinigung ebenso wie die Ausschwemmung von Schlacken und Säuren. Denn das Basenpulver allein schafft den Entsäuerungsprozess nicht. Ungleich mehr säuernde Kost als früher landet heute mit Eiweiß, Zucker, Teigwaren und Fertigprodukten auf unseren Tellern. Der Überkonsum von vermeintlich gesunder Roh- oder Körnerkost tut ein übriges. Wie fatal der vermeintlich kleine leichte Salat am Abend ist, erfährt man erst hier. Bohnenkaffee, Alkohol, Nikotin, Stress, Angst, Frustration oder Bewegungsmangel, Kunstdünger, saurerer Regen und Umweltgifte fördern zusätzlich, dass wir „sauer“ werden.

Bei dem Essen gibt es ebenfalls feste Regeln. Die Luft getrocknete, in feine Scheiben geschnittene Dinkelsemmel, die immer auf dem Tisch steht, soll zum Kauen und Einspeicheln animieren. „Gut gekaut ist halb verdaut“, so die Devise. Und gut gekaut ist erst, wenn der Speisebrei im Mond süßlich und fein zurmahlen ist. „ die beste Ernährung hilft gar nichts“, so Doktor Zimmermann, „wenn der Verdauungsapparat sie nicht verwerten kann“.

Behandlungsverlauf

Dafür werde er auch vor allem von den Frauen geliebt, lacht Doktor Zimmermann selbstbewusst. Denn die Darm Gifte sind es, die vorzeitig alt, krank und gebrechlich werden lassen. Wenn er also die Selbstvergiftung aus dem Darm beende, trete automatisch eine biologische Entgiftung ein. Die Haut wird straffer, die Körpersilhouette wird harmonischer.

Frauen, die diese Erfahrung gemacht haben, kann er vorzeigen. Ob 83 oder 87 Jahre, das Alter traut man ihnen nicht zu. Ihre Begeisterung über die Verbesserungen ihres Gesundheitszustandes hat sie zu einer Neuorientierung der Ernährungsweise veranlasst. Der Denkansatz, nicht Krankheiten sondern Ursachen zu bekämpfen, mache nicht nur schön, sondern auch gesund, bekräftigt Zimmermann.

Sieben Regeln gibt er zum Ausprobieren gerne mit auf den Weg: 1. Morgens und abends einen Einlauf mit dem Klyso. 2. Gegen „dicke Luft“wenigstens nachts ein Darmventil zur besseren Ableitung der Gase. 3. Mindestens 3 l Liter täglich trinken, am besten grüne Kräutertees. 4. das Abendessen meiden. 5. Nichts Rohes essen, Obst und Gemüse nur leicht gedünstet und allesamt sorgsam kauen. 6. Täglich feucht heiße Leberwickel, Wechselduschen und Bürstenmassagen. 7. Zur Seelenhygiene ein bisschen meditative Musik.

Das muss man wollen. Aber wer nun als disziplinierter Mensch einem gewissen Leidensdruck verspürt, könnte theoretisch die Regeln einhalten und sich selbst therapieren, denke ich laut, oder zumindest nur ambulant die Anwendungen in Anspruch nehmen. Doktor Zimmermann widerspricht.

Auch bei der Mayr-Therapie ist eine Heilkrise nicht ausgeschlossen. Als Folge der nachhaltigen Säuberung kann es bei den heftigen Entgiftungsprozessen in den ersten Tagen zu einer Art Rückvergiftung der Organe und des Blutes kommen. 

Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Sehstörungen sind nun möglich und sollten nicht zu einem Abbrechen der Therapie führen. Die Ursache für die Verschlimmerung ist meist ein chronisches Leiden. Der Gesundheitszustand hat sich im Laufe der Jahre über eine akute Schmerzphase zu einem Stadium entwickelt, mit dem sich der Patient arrangiert hat. Der Weg zurück führt wieder über eine akute Schmerzphase zum Gesundheitszustand

Um diese Rückführungsphase besser zu überwinden, helfen manuelle Bauchbehandlungen, reichliches Trinken zur Giftausschwemmung, Baden, Wechselduschen, Bewegungen an der frischen Luft und Gespräche. Die Schwierigkeit, den Weg allein zu gehen, liegt im Zeitgeist verborgen, der den Alltag zu einer Quelle von Störungen und Krankheiten macht. In einer entspannten Atmosphäre jenseits dieser Faktoren fällt der Umdenkungsprozess leichter. Schließlich ist es eine Binsenweisheit, das Regierung leichter gestürzt werden als schlechte Gewohnheiten.

Sabine Model

Ratgeber Frau & Familie, 27. Februar 2009
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